Koalitionsvertrag zwischen CDU und Grüne 2019-2024 veröffentlicht

Wie der Landesjagdverband Hessen berichtet, wurde am 20. Dezember 2018 der Koalitionsvertrag zwischen der CDU Hessen und Bündnis 90/Die Grünen für die 20. Legislaturperiode veröffentlicht. Unter der Überschrift „Aufbruch im Wandel durch Haltung, Orientierung und Zusammenhalt“ enthält das Vertragswerk nur wenige Zeilen zum Thema „Jagd“. Am Samstag soll der Koalitionsvertrag den Parteigremien zur Abstimmung vorgelegt werden. Der LJV sieht zwei wichtige Kernforderungen als erfüllt an: Das Hessische Jagdgesetz bleibt unangetastet und Jungwaschbären sollen (Anm. d. Red. erst nach einer geänderten Schonzeitverordnung) wieder ganzjährig bejagbar sein.

Auf der Seite 106 ab Zeile 4427 führen die Koalitionspartner die Vereinbarungen zum Thema „Jagd und Fischerei aus“:

Auszug aus dem Koalitionsvertrag von CDU Hessen und Bündnis 90/Die Grünen für die 20. Legislaturperiode von 2019-2024:

„Wir wollen die Zusammenarbeit mit der hessischen Jägerschaft intensivieren. Das Hessische Jagdgesetz hat sich bewährt und wird nicht verändert. Das Jagdrecht wollen wir evaluieren und in Zusammenarbeit mit den Umwelt- und Jagdverbänden ggf. fortschreitend an wildbiologische Erkenntnisse anpassen. Die Schonzeit für Jungwaschbären wollen wir aufheben, damit sie ganzjährig bejagt werden dürfen.

In Gebieten mit hohem Prädationsdruck auf gefährdete Arten kann bei Füchsen eine Bejagung im Einzelfall mit Sondergenehmigung auch in der Schonzeit fortgesetzt werden. Die Effektivität dieser zusätzlichen Bejagung auf den Bestand der gefährdeten Arten wird dabei in einem begleitenden Monitoring evaluiert. Die Jagdausübung mit Totschlagfallen wollen wir verbieten.

Wir prüfen, eine Fachdienststelle für jagdkundliche und jagdbiologische Forschung einzurichten, die für die Jäger fachkundiger Ansprechpartner für Fragen der Wildpopulation oder -hege und der Wildschadens- und Wildseuchenprävention ist. Die Mittel der Jagdabgabe sollen ausschließlich für jagdliche Belange eingesetzt werden.

Die Jagd ist notwendig, um Wildbestände zu regulieren, dass ein Miteinander zwischen Wald und Wild möglich ist. Durch geeignete Maßnahmen wie Lebensraumgutachten wird dieser Interessensausgleich verstärkt. Wir treten für die Beibehaltung des einheitlichen Reviersystems ein und werden im Nationalpark durch genehmigte Managementpläne sukzessive jagdfreie Zonen auf 75 Prozent der Fläche einrichten.

Wir werden die erforderlichen Maßnahmen ergreifen, um eine Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest auf Hessen zu verhindert. Neben der Bekämpfung verschiedener Ursachen ist auch die weitere deutliche Reduzierung der Schwarzwildbestände dafür unerlässlich. Wir werden dafür die Schonzeit auf Schwarzwild weiterhin aussetzen. Mit der Jägerschaft werden wir die hierfür notwendigen Schritte prüfen und weiter fortsetzen.

…“

 

Download Koalitionsvertrag:

Der Koalitionsvertrag steht unter folgendem Link zum Download bereit:

Download: Koalitionsvertrag CDU und Grüne in Hessen 2019-2024

Bei der Formulierung „Das Jagdrecht wollen wir evaluieren und in Zusammenarbeit mit den Umwelt- und Jagdverbänden ggf. fortschreitend an wildbiologische Erkenntnisse anpassen.“ ist Vorsicht geboten, dass nicht durch die Hintertür weitere Einschränkungen der Jagd eingeführt werden.

Der Landesjagdverband Hessen e. V. wird weiterhin für die Positionen der Jagd auch gegenüber der neuen Regierungskoalition eintreten.

Zeitumstellung und Herbst: Wildunfallgefahr steigt

Alle zweieinhalb Minuten passiert ein Wildunfall in Deutschland. Jäger zählen insgesamt 250.000 Wildunfälle mit Paarhufern wie Reh, Wildschwein und Hirsch in ganz Deutschland. Nasses Herbstwetter und die Zeitumstellung erhöhen das Wildunfallrisiko in den kommenden Wochen. Der Berufsverkehr fällt in die Morgen- und Abenddämmerung, besondere Aufmerksamkeit ist geboten.

Am Sonntag, 28. Oktober 2018 beginnt die Winterzeit und die Menschen können eine Stunde länger schlafen. Während es am Samstag um 7.00 Uhr morgens noch dunkel ist, beginnt nach der Zeitumstellung zur gleichen Uhrzeit bereits die Morgendämmerung. Die Zeit, in der Wildtiere aktiv werden. Reh, Wildschwein oder Hirsch orientieren sich allerdings am Tageslicht und kennen die Zeitumstellung nicht: Während sie am Vortrag die Fahrbahn noch gefahrenlos überqueren konnten, braust nach der Zeitumstellung plötzlich der Berufsverkehr über die Straße. Die Morgenstunden werden so zur Falle für Tier und Mensch. Am Abend wird es eine Stunde früher dunkel. Die Dämmerungsphase beginnt bereits gegen 17.00 Uhr und fällt damit ebenfalls in die Rush-Hour.

Wechselhaftes Wetter und Laub

Weitere Gefahrenquelle für Verkehrsteilnehmer im Herbst: Das wechselhafte Wetter mit Laub und Schmutz auf nassen Straßen. Autofahrer sollten deshalb besonders an unübersichtlichen Feld- und Waldrändern mit Wild rechnen und die Geschwindigkeit anpassen, rät der Landesjagdverband Hessen: Wer Tempo 80 statt 100 fährt, verkürzt den Bremsweg bereits um 25 Meter.

Wie reagieren, wenn ein Tier am Straßenrand steht?

Wenn ein Tier am Straßenrand steht, sollte der Fahrer kontrolliert bremsen, abblenden und hupen. Die Augen der Wildtiere sind deutlich lichtempfindlicher als die der Menschen, das Fernlicht blendet und macht orientierungslos. Der Hupton hilft Wildtieren, sich akustisch zu orientieren und zu flüchten. Falls eine Kollision unvermeidbar ist, sollte der Autofahrer nicht riskant ausweichen, sondern das Lenkrad gut festhalten und bremsen. Ein unkontrolliertes Ausweichmanöver erhöht das Unfallrisiko, besonders wenn das Auto in den Gegenverkehr gerät oder die Fahrt am Baum endet.

Was tun nach einem Wildunfall?

Nach einer Kollision muss die Unfallstelle unverzüglich gesichert werden: Warnblinkanlage einschalten und Warndreieck aufstellen.

Tote Tiere sollten nicht angefasst oder mitgenommen werden. Das Mitnehmen von getötetem Wild kann darüber hinaus als Wilderei zu bewerten sein“, erklärt Prof. Dr. Jürgen Ellenberger, Präsident des Landesjagdverbandes Hessen.

Im Interesse des Tierschutzes ist es laut des Deutschen Jagdverbandes (DJV) Pflicht, die Polizei anzurufen, selbst wenn das Tier geflüchtet ist. Diese kontaktiert den zuständigen Jäger, der das verletzte Tier suchen und erlösen kann. Die Polizei oder der Jäger stellt vor Ort eine Wildunfallbescheinigung aus, die als Nachweis bei der Versicherung dient.

Studie zu Wildwarnreflektoren

In dieser Woche wurden die Ergebnisse einer Studie, die im Auftrag der Unfallforschung der Versicherer (UDV) durchgeführt wurde veröffentlicht. Demnach können die weit verbreiteten blauen Wildwarnreflektoren die Zahl der Wildunfälle nicht verringern.
Der ADAC und der Deutsche Jagdverband haben im Dezember 2017 eine eigene Studie vorgestellt: Nach dieser Studie konnten die blauen Reflektoren die Unfälle um bis zu 60 % verringern. Die Ergebnisse dieser Studie können viele Jäger aus der Praxis bestätigen.

Der Landesjagdverband hat deshalb direkt Kontakt zum Hessischen Verkehrsministerium und HessenMobil aufgenommen, um den weiteren Einsatz der Reflektoren auf Hessens Straßen abzustimmen.

Der ADAC startete in Sachsen-Anhalt kürzlich ein neues Projekt. Ein spezieller Reflektor soll zusätzlich zu den optischen Signalen auch einen Warnton aussenden, sobald sich ein Fahrzeug nähert. Dieses Verfahren sei neu in Deutschland, habe sich aber bereits in Österreich bewährt. Der Landesjagdverband wird in der kommenden Woche die Unterstützung des Projektes anbieten. „Die Wildtiere werden keine Verkehrsregeln lernen und neue Techniken der Automobilindustrie zur Erkennung von Wild am Straßenrand mittels Infrarotsensoren stecken noch in der Entwicklung. Die Autofahrer können durch eine vorsichtige Fahrweise und reduzierte Geschwindigkeit besonders in der Nähe von Feld- und Waldrändern oder im Wald das Unfallrisiko erheblich senken“, so Ellenberger.

Wildunfall Schwerpunkte identifizieren

Ein von der Universität Kiel entwickeltes Wild- und Totfundkataster soll künftig die Basisdaten für eine spezielle Wildwechsel-App liefern, die Autofahrer vor Gefahrenstellen warnen soll. Der Landesjagdverband Hessen begrüßt diese technische Entwicklung. „Die App der Universität Kiel steht für Jedermann unter dem Suchbegriff „Tierfund-Kataster“ für Apple und Android zur Verfügung“, so Prof. Ellenberger weiter.  Auf einer Fachtagung zum Thema Wildunfallprävention, die der ADAC gemeinsam mit dem Deutschen Jagdverband initiiert hat, sollen im Dezember die Untersuchungsergebnisse zu optischen  Wildwarnern vorgestellt und über weitere Forschungsvorhaben diskutiert werden.

 

Service zum Thema Wildunfall verhindern

Wie kann ein Wildunfall verhindert werden?

  • Reduzierte Geschwindigkeit entlang unübersichtlicher Wald- und Feldrändern.
  • Besonders gefährlich sind neue Straßen durch Waldgebiete, da das Wild seine gewohnten Wege beibehält.
  • Die größte Gefahr droht in der Morgen- und Abenddämmerung, bei Nacht und bei Nebel.
  • Tier am Straßenrand: Abblenden, Hupen, Bremsen.
  • Ein Tier kommt selten allein. Autofahrer sollen stets mit Nachzüglern rechnen.
  • Lässt sich ein Zusammenstoß nicht verhindern: Vollbremsung einleiten und das Lenkrad festhalten. Nicht ausweichen! Sonst endet die Fahrt schnell im Gegenverkehr oder an einem Baum.

 Was ist nach einem Wildunfall zu tun?

  • Unfallstelle sichern: Warnblinkanlage anschalten, Warndreieck aufstellen und Polizei unter 110 anrufen.
  • Aufgrund der Infektionsgefahr niemals tote Tiere ohne Handschuhe anfassen. Abstand halten zu lebenden Tieren.
  • Wer Wild mitnimmt macht sich der Wilderei strafbar.
  • Einem geflüchteten Tier nicht folgen. In der Unfallmeldung die Fluchtrichtung mitteilen und die Unfallstelle markieren. Dies gelingt z. B. mit einem weißen Papiertaschentuch, das an einen Ast oder Busch, von der Straße aus gut sichtbar, befestigt wird. So kann der Jäger das verletze Tier leichter finden.
  • Für die Versicherung Wildunfallbescheinigung von Jäger oder Polizei ausstellen lassen.