Gute Stimmung trotz Kontroversen auf dem Landesjägertag in Nidda

Das Bürgerhaus in Nidda wurde am Samstag, 28. Mai 2016 zum Mittelpunkt für rund 250 hessische Jägerinnen und Jäger. Der Andrang war so groß, dass schon vor dem offiziellen Beginn des hessischen Landesjägertags 2016 weitere Stühle in den Saal gestellt werden mussten. Ausgerichtet wurde diese Veranstaltung vom Jagdverein Hubertus Altkreis Büdingen e. V.

Im Außenbereich hatte der Jagdverein den zweiten Feldtag „Jungwildrettung“, einen Genussmarkt, eine 4×4 Ausstellung und den Tag der Jagdmusik mit 300 Jagdhornbläsern aus ganz Hessen organisiert. Das attraktive Rahmenprogramm lockte auch viele Gäste aus der Bevölkerung.

Bild Dr. Jürgen Ellenberger
Der Präsident des Landesjagdverbands Hessen e. V. Dr. Jürgen Ellenberger betont „Wer das Rebhuhn retten will, darf den Fuchs nicht unter Schutz stellen!“ Foto: Markus Stifter

Der Präsident, Dr. Jürgen Ellenberger eröffnete die Veranstaltung und richtete gleich zu Beginn einen dringenden Änderungswunsch zur neuen Jagdverordnung in Hessen an Staatsministerin Priska Hinz vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUKLV): „Im Bereich der Prädatorenbejagung, vor allem bei Fuchs und Waschbär: Es stößt den hessischen Jägerinnen und Jäger auf, dass eine Schonzeit eingeführt worden ist, die über die Elternschutz des Bundesjagdgesetzes hinausgeht. Wir alle wollen Artenschutz betreiben… doch den gefährdeten Arten nutzt keine Biotopverbesserung, wenn sich gleichzeitig ihre Fressfeinde ungehindert vermehren können… Wer das Rebhuhn retten will, darf den Fuchs nicht unter Schutz stellen!“

Außerdem verwies Dr. Ellenberger darauf, dass der Erlass zur Hasentaxation erst am 24. März 2016 vom Ministerium zugänglich gemacht wurde. Das war für die Zählung sehr kurzfristig. Gleichwohl hat der Großteil der Jagdausübungsberechtigten gezählt. Wer nicht zählen konnte, dem darf dadurch kein Nachteil entstehen.

Bild: Priska Hinz Ministerin
Ministerin Hinz lobte das Engagement der hessischen Jägerinnen und Jäger und die maßgebliche Unterstützung des Landesjagdverbands bei dem Wunsch, die Hasentaxation auf die Fläche zu bringen. „Ich weiß auch, dass die meisten Jägerinnen und Jäger ihrer Verantwortung gerecht werden. Ich weiß auch um die Aufgabe der Jäger, die sie in der Hege und Pflege wahrnehmen.“ Foto: Markus Stifter

 

 

 

Bild: Dr. Walter Arnold
Dr. Walter Arnold (Landtagsfraktion der CDU): „Wir wollen in Hessen Jägerinnen und Jäger sein und keine Wildmanagement-Beauftragten.“ Auf Unverständnis stieß jedoch seine Aussage: „Wir setzen damit (Anm. d. R.: der JVO) im Hessischen Jagdgesetz das um, was uns das Bundesjagdgesetz vorgibt… ich denke, dass die Bejagung des Fuchses auch in der neuen Jagdzeit möglich ist“. Foto: Markus Stifter

 

Präsident Ellenberger verwies direkt darauf, dass sich die im Bundesjagdgesetz geregelte Schonzeit nur auf die zur Aufzucht nötigen Elterntiere bezieht.

Auch die Aussage von Ursula Hammann (Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen) stieß auf große Ablehnung: „Wir können den letzten Fuchs erschießen, das wird nicht dazu führen – wenn sich die anderen Parameter nicht verändern – wird sich kein Rebhuhn retten lassen“.

Wolfgang Greilich (Landtagsfraktion der FDP) berichtete über ein Rechtsgutachten zur hessischen Jagdverordnung. Die FDP-Fraktion habe einstimmig beschlossen, eine Klage gegen die Jagdverordnung vor dem Staatsgerichtshof auf den Weg zu bringen.

Nach einer rund achtminütigen Laudatio erhielt  Andreas Mohr vom Jagdverein Hubertus Altkreis Büdingen von Ministerin Hinz den Staatsehrenpreis für sein Lebenswerk „Lebensraumgestaltung“.

Auch die Delegiertenversammlung am Nachmittag verlief trotz kontroverser Diskussionen sehr ruhig und sachlich. Präsident Dr. Ellenberger betonte gleich zu Beginn, dass die hessischen Jägerinnen und Jäger beim Protest gegen die Jagdverordnung große Erfolge erreicht haben, die man sich auch nicht kleinreden lassen möchte. Dennoch wird der Verband weiterhin gegen die Einschränkung der Jagdzeiten insbesondere bei Waschbär und Fuchs vorgehen.

Die Delegierten entschieden mit überwältigender Mehrheit, dass der Pachtvertrag des Lehrrevieres in Kranichstein nicht verlängert wird und somit zum 31.03.2017 endet. Davon nicht betroffen ist die Aus- und Weiterbildung der Landesjagdschule des LJV im Zeughaus des Jagdschlosses Kranichstein. Die Aktivitäten laufen dort unvermindert weiter und die angebotenen Kurse erfreuen sich einer ungebrochen hohen Beliebtheit. Die LJV Vorstandsmitglieder hatten bereits im Vorfeld Gespräche mit dem zuständigen Forstamt geführt, um auch weiterhin Flächen für die Aus- und Weiterbildung zur Verfügung zu haben. So kann beispielsweise der Fanggarten zur Ausbildungszwecken auch weiterbetrieben werden, ohne den Pachtvertrag aufrecht zu erhalten.

Der Präsident des Deutschen Jagdverbands sicherte dem LJV die volle Unterstützung bei der Optimierung von Abläufen in der Geschäftsstelle zu, so dass für eine Unternehmensberatung keine weiteren Kosten entstehen.

Dem LJV-Geschäftsführer Alexander Michel wurde einstimmig das volle Vertrauen ausgesprochen.

 

Neues Jagdjahr beginnt mit neuer Jagdverordnung in Hessen

Am 1. April beginnt das neue Jagdjahr. Doch für die rund 25.000 hessischen Jägerinnen und Jäger gilt ab diesem Tag eine neue Jagdverordnung, die Umweltministerin Priska Hinz Ende Dezember unterschrieben und veröffentlicht hat.

Der »Jagen, Reiten, Fischen, offroad« hat gegen den Verordnungsentwurf gekämpft und für eine Großdemonstration über 3.500 Grünröcke mobilisiert, die in Wiesbaden ihrem Ärger Luft gemacht haben. »Wir haben für die Jagd in Hessen auch bei einer Anhörung im Hessischen Landtag wissenschaftlich fundierte Argumente geliefert und konnten sogar Ministerpräsident Volker Bouffier davon überzeugen, zugunsten der Jägerschaft zu verhandeln«, so LJV Präsident Dr. Jürgen Ellenberger.«

Auf der Messe »Jagen, Reiten, Fischen, offroad« in Alsfeld bekräftigte der Geschäftsführer des Landesjagdverbands, Alexander Michel noch einmal, dass der ursprüngliche Entwurf der Jagdverordnung der Vergleichsmaßstab sei und nicht die alten Verordnungen. Ohne den massiven Protest und die rund 18.000 gesammelten Unterschriften, wären die geplanten Einschränkungen so verabschiedet worden. Viele hessische Reviere wären aufgrund der stark reduzierten Jagdzeiten kaum mehr zu bejagen und somit auch nicht verpachtbar gewesen.

In den nächsten Tagen beginnen die Jäger mit der bewährten Hasenzählung. Im Scheinwerferlicht können die Hasen durch die Lichtreflexion in den Augen deutlich von anderen Wildtieren unterschieden werden. Ist die Besatzdichte ausreichend, können die Hasen ab 1. Oktober bis zum 31. Dezember wieder bejagt werden. Eine Praxis, die in vielen Revieren schon seit langem etabliert ist. Damit die Junghasen aber auch Bodenbrüter wie Brachvogel, Feldlerche und Kiebitz eine Überlebenschance haben, gehört der Schutz vor Fressfeinden, wie zum Beispiel dem Fuchs zu einer wichtigen Aufgabe der Jäger. Auch das geplante Ende der Jagdzeit auf Füchse Ende Januar konnte der Landesjagdverband bis Ende Februar verlängern. Eine Bejagung der Jungfüchse ist jedoch erst wieder ab 15. August möglich.

Der Landesjagdverband hat der neuen Jagdverordnung nicht zugestimmt und wird sich weiterhin für Verbesserungen einsetzen. Auch aus den politischen Reihen der Opposition von FDP und SPD erhalten die Jäger Unterstützung. Die hessische FDP-Fraktion lässt derzeit die Erfolgsaussichten für eine Normenkontrollklage durch ein Rechtsgutachten prüfen.

Besonders wichtig ist dem Landesjagdverband auch die Unterstützung der Bevölkerung, im ländlichen aber auch gerade im städtischen Raum. Die Jäger vor Ort stehen bei Fragen zur Verfügung, organisieren Waldexkursionen für Kindergärten und Schulen aber auch für andere Naturinteressierte. Der Verband vermittelt gern Kontakte zur örtlichen Jägerschaft.