Fuchsjagd in Hessen beginnt: Hase und Bodenbrüter können aufatmen

Die Fuchsjagd in Hessen beginnt erst am 15. August:
Erstmalig gibt es in Hessen eine Schonzeit für Jungüchse. Seit 1. April gilt eine neue Jagdverordnung, die von der Hessischen Umweltministerin Priska Hinz (Bündnis 90/Grüne) erlassen wurde.

Fuchsjagd in Hessen erst ab 15. August. - Ein Fuchs erbeutet einen Vogel: Laut Andreas Mohr vom Rebhuhn-Hegering Wetterau werden 75 % der Gelege gefressen. Mit einem eigenen Versuch in der Wetterau hat sich das Ergebnis einer Göttinger Forschungsgruppe bestätigt. Foto: Rolfes/DJV
Ein Fuchs erbeutet einen Vogel: Laut Andreas Mohr vom Rebhuhn-Hegering Wetterau werden 75 % der Gelege gefressen. Mit einem eigenen Versuch in der Wetterau hat sich das Ergebnis einer Göttinger Forschungsgruppe bestätigt. Foto: Rolfes/DJV

Fuchsjagd ist wichtige Hegemaßnahme

„Hasen, aber auch viele bodenbrütende Arten, wie Rebhuhn, Kiebitz und Feldlerche benötigen dringend Schutz vor dem Fuchs, während sie ihr Gelege ausbrüten und ihre Küken großziehen“, sagt Dr. Jürgen Ellenberger, Präsident des Landesjagdverbandes Hessen. „Die hessischen Jägerinnen und Jäger können ihren gesetzlichen Hegeauftrag nicht mehr erfüllen, da uns durch die neue Jagdverordnung die Hände gebunden sind und wir den Jungfuchs erst ab dem 15. August bejagen dürfen.“

Für viele Tierarten, die in der offenen Landschaft leben, wird der Lebensraum immer knapper. Sie sind Fressfeinden wie dem Fuchs hilflos ausgeliefert.

Andreas Mohr ist Gründer des ersten Rebhuhn-Hegeringes in Hessen und konnte bei einem eigenen Versuch in der Wetterau das Ergebnis einer Göttinger Forschungsgruppe bestätigen. Auch bei ihm wurden 75 % der Gelege gefressen. „Wenn nur 25 % der Rebhühner den Fressfeinden entkommen, brauchen wir uns über den teilweise bedrohlichen Zustand unserer Feldvogelbesätze nicht zu wundern.“

Die Situation wird sich laut Andreas Mohr noch weiter zuspitzen „Normalerweise haben wir um diese Jahreszeit in unserem Revier schon 20 Jungfüchse erlegt, das ist jetzt nicht mehr aufzuholen. Jungfüchse zu bejagen, ist kein Vergnügen, aber angesichts der Fleischmengen von 300 bis 500 Gramm, die ein Fuchs täglich zu sich nimmt, brauchen gerade die Bodenbrüter in den ausgeräumten Feldern eine spürbare und frühe Entlastung vor dem hungrigen Raubwild.  Deshalb ist für uns Jäger auch der Fang mit zertifizierten und tierschutzgerechten Fallen ein höchst effektives Mittel.“

Dr. Astrid Sutor ist Referentin für Jagd- und Forstwirtschaft beim Deutschen Jagdverband (DJV) und weiß: „Vor Einführung der Tollwutimmunisierung lebten durchschnittlich auf 100 ha ein Fuchs und ein Marder – heute suchen auf der gleichen Fläche zwei bis drei Füchse, Stein- und Baummarder, Iltis und in vielen Regionen auch noch der Waschbär nach Nahrung. Insgesamt gesehen, hat die Dichte der Raubsäuger deutlich zugenommen.“ Das Argument, dass der Fuchsbestand sich von selbst auf ein Populationsniveau regelt, das die Artenvielfalt nicht gefährdet und die Fuchsjagd eher noch mehr Nachwuchs erzeugt, lässt sie dabei nicht gelten, sondern verlässt sich auf wissensbasierte Fakten: „Eine Fuchsfähe bringt im Durchschnitt etwa fünf Welpen zur Welt, in der heutigen Kulturlandschaft werden alle satt und die meisten Jungtiere überleben, falls sie nicht an Krankheiten sterben, überfahren oder erlegt werden. Die Jungfüchse besiedeln zwar nach kurzer Zeit schon eigene Reviere, doch durch die optimale Nahrungsversorgung in der Kulturlandschaft  können hohe Populationsdichten erreicht werden. Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis dafür, dass eine verstärkte Bejagung generell zu mehr Nachwuchs führt.“

Das akute Auftreten von Räude oder wie kürzlich der Staupe und Leptospirose in den hessischen Landkreisen Limburg-Weilburg und Lahn-Dill sind für Dr. Sutor ein klares Anzeichen für hohe Populationsdichten der Füchse. Besonders die Staupe kann auch für Wildkatzen, Luchs und Wolf bedrohlich werden, denn sie endet immer tödlich. Diese hochansteckende Infektionskrankheit ist auch für Haustiere gefährlich. Das Virus bleibt auch außerhalb des lebenden Organismus noch Tage ansteckend. Hunde- und Katzenhaltern empfiehlt sie dringend eine Überprüfung des Impfschutzes.

„Wir kriegen als Jäger die Staupe nicht weg, doch durch eine reduzierte Anzahl an Füchsen wird die die Übertragungswahrscheinlichkeit gesenkt und die Verbreitung der Staupe eingedämmt“, weiß Dr. Jürgen Ellenberger und appelliert im Namen der hessischen Jägerinnen und Jäger an Ministerin Hinz „Der Jungfuchs muss wieder ganzjährig bejagbar sein, sonst werden viele Arten in der Feldflur darunter leiden.“

LJV-Hessen: Fangt an Hasen zu zählen – Hasentaxation in Hessen

Hasentaxation in Hessen: Können um diese Jahreszeit bei der vielerorts schon hohen Vegetation überhaupt noch Hasen gezählt werden? Darf ich im Herbst überhaupt noch Hasen bejagen, wenn ich im Frühjahr nicht gezählt habe?

Auf einer Informationsveranstaltung des Landesjagdverbands Hessen e. V. gab LJV-Vizepräsident Dr. Nikolaus Bretschneider-Herrmann konkrete Antworten zur Hasentaxation in Hessen.

Hasen Taxation in Hessen: Vortrag von Dr. Nikolaus Bretschneider-Herrmann
Dr. Nikolaus Bretschneider-Herrmann: „Die Hasenbejagung wurde durch die neue Jagdverordnung an die Bestandserfassung geknüpft. Dies ist bisher beim Niederwild einmalig in Deutschland und vielen europäischen Ländern. Daraus ergeben sich für die Jägerschaft nicht nur die Pflicht zur Zählung, sondern auch die Chance Hasen weiterhin bejagen zu können!“ (Foto: Markus Stifter)

Fakten und Umsetzung der Hasentaxation in Hessen:

  • JA, die Hasen können und sollen noch bis zum April 2016 gezählt werden!
  • Wenn auf einzelnen Feldflächen die Vegetation bereits zu hoch ist, dann zählen Sie bitte auf anderen Freiflächen. Bei der Zählung geht es nur um einen Stichprobenumfang von mindestens 20 % der Feldfläche einer Hegegemeinschaft!
  • Die Zählung sollte frühestens 2 Stunden nach Sonnenuntergang erfolgen.
  • Fahren Sie am besten zu zweit im Auto und leuchten die noch frei einsehbaren Feldflächen ab.
  • Protokollieren Sie die Fahrtroute in ihrer Revierkarte und notieren die gezählten Hasen mit Datum und Uhrzeit. Vergessen Sie bitte nicht, auch die ggf. beobachteten Beutegreifer, z. B. den Fuchs, ebenfalls in das Protokoll aufzunehmen.
  • Führen Sie im Abstand von wenigen Tagen eine zweite Zählung durch.
  • Diese Ergebnisse werden dann für die Frühjahrszählung zugrunde gelegt.

Video: Hasenzählung mit Suchscheinwerfern in Hessen

Die künftige Bejagungsmöglichkeit richtet sich am jährlichen Zuwachs aus, wobei genaue Schwellenwerte noch unter Mithilfe des Arbeitskreises Wildbiologie der Justus-Liebig-Universität Gießen entwickelt werden. Generell gilt, dass in guten Hasenbiotopen sehr hohe jährliche Zuwächse zu erwarten sind, von denen ein entsprechend hoher Anteil jagdlich genutzt werden kann.

 Hasentaxation – auch ein unschlagbarer Vorteil für die Jägerschaft:

  • Wildtiermanagement verbleibt unmissverständlich in der Hand der Jägerschaft!
  • Taxation und jagdliche Nutzung als Voraussetzung für jagdpolitische Forderungen der Niederwildhege
  • Prädatorenbejagung kommt elementare Bedeutung in der Niederwildhege und beim Bodenbrüterschutz zu.

Wichtige Hintergrundinformationen – bisheriger Zeitverlauf:

  • 12.2015: Erster Verweis des HMUKLV per Erlass auf die Jagdverordnung. Der Landesjagdverband Hessen e. V. hat diese Information nach den Winterferien am 14.01.2016 an die Hegegemeinschaften und Jagdvereine weitergeleitet.
  • 01.2016: Mündliche Vorab-Information durch das Jagdreferat des HMUKLV über die dort beabsichtigte weitere Vorgehensweise
  • 03.2016: Besprechung mit dem Jagdbeirat, Verbände und weiteren Vertretern zur Vorgehensweise „Hasentaxation“ im HMUKLV
  • 03.02016: Der Erlass zur Hasentaxation wurde vom HMUKLV an den LJV Hessen, die Hegegemeinschaften und die Jagdausübungsberechtigten versendet
  • 03.2016: Der Landesjagdverband Hessen leitete den Erlass an die KJV und die Hegemeinschaften weiter
  • 04.2016: Der LJV lädt zu Multiplikatorenschulung ein (KJV und Hegegemeinschaften)
  • Am 09.04., 11.04. und 12.04.2016 fanden die ersten Multiplikatorenschulungen in Nord-, Mittel und Südhessen statt.

Komplette Meldung „Fangt an Hasen zu zählen“ als PDF herunterladen.

Hasenzählung in Hessen 2016

In über einhundert hessischen Revieren von Kassel bis Darmstadt sind derzeit die Jäger auf der Pirsch – allerdings nicht mit der Flinte sondern mit großen Suchscheinwerfern, Papier und Bleistift. In den Abend- und Nachtstunden zählen sie Hasen auf freien Feld- und Ackerflächen.
Bei dem momentan noch niedrigen Bewuchs können die Hasen auf bis zu 200 Meter sicher erkannt und gezählt werden. Ihre Augen leuchten hell rot wenn sie angestrahlt werden, so sind sie gut von anderen Wildtieren wie Füchsen oder Rehen zu unterscheiden. Die wissenschaftlich anerkannte Methode der Scheinwerfertaxation ist seit Jahrzehnten bewährt.

Hasenzählung in Hessen
Mit großen Suchscheinwerfern werden derzeit in Hessen die Hasen auf den freien Feldflächen gezählt. Foto: Markus Stifter / Stifter-Press.de

 

 

Erste Ergebnisse der Hasenzählung in Hessen

Die ersten Ergebnisse der Frühjahrszählung 2016 liegen bereits vor und bestätigen einen langjährigen Trend:

Die in Hessen seit Jahrzehnten bekannt guten Niederwildbereiche (Waberner Senke, Gießener Becken, Wetterau, Reinheimer Becken, Main-Ebene und das Hessische Ried) weisen in der Rückschau zu den hohen Besätzen der siebziger Jahre immer noch einen vergleichsweise hohen Besatz auf – in anderen Landesteilen hingegen verharren die örtlichen Besätze auf geringerem Niveau.

In den traditionell guten Hasenrevieren in Mittel- und Südhessen wurden im Herbst 2015 wieder Dichten von 15 bis über 50 Hasen pro 100 ha Revierfläche festgestellt. In Spitzenregionen sogar bis zu 80 Hasen auf 100 Hektar Feldfläche.

In 2015 betrug die Zuwachsrate vom Frühjahr bis zum Herbst 28 %, dies ist der dritthöchste Wert aller Bundesländer. Vor diesem Hintergrund war das Jahr 2015 ein gutes Jahr für den Hasen, da deutlich mehr Nachwuchs als Verluste zu verzeichnen waren.

Hasentaxation in Hessen bereits seit 25 Jahren

Die Hasenzählung wurde erstmal 1989 vom Landesjagdverband Hessen e. V. initiiert. Seit 25 Jahren zählen die Jägerinnen und Jäger auf freiwilliger Basis zweimal jährlich – im Frühjahr und Herbst die Hasenbestände. Das nun in der neuen Jagdverordnung festgeschriebene Monitoring ist bei den Jägern traditionell gelebte Praxis und bestärkt die Grünröcke darin diesen Weg fortzuführen.

Mit Smartphone und Lautsprecher auf Rebhuhn-Pirsch

Ausgestattet mit Smartphone und Lautsprecher machen sich die Jäger in ganz Rheinland-Pfalz auf die Pirsch. Im Auftrag der Obersten Jagdbehörde und des Landesjagdverbandes wollen sie Rebhühner zählen. Vorausgegangen ist ein freiwilliger Verzicht auf die Rebhuhn-Jagd bis 2020.

So funktioniert das Rebhuhn Monitoring:

Über den kleinen Bluetooth-Lautsprecher wird der Lockruf des Hahnes abgespielt, der mindestens 150 Meter weit zu hören sein soll.
„Antwortet“ dann ein Hahn auf diesen Ruf, wird er gezählt und mit genauer Orts- und Zeitangabe in eine Revierkarte eingetragen.

Nach rund 30 Sekunden geht es weiter zum nächsten „Lock-Punkt“.

Für die Zählung nach der wissenschaftlich anerkannten „Punkt-Stopp-Methode“ erhalten die Jäger eine Aufwandsentschädigung von 100 Euro im Jahr.

Mehr Informationen zum Rebhuhn-Monitoring in Rheinland-Pfalz.

Download: Rebhuhn-Lockruf im MP3 Format

Den kompletten Filmbeitrag finden Sie demnächst auf Jagderleben.de