Hasenzählung in Hessen 2016

In über einhundert hessischen Revieren von Kassel bis Darmstadt sind derzeit die Jäger auf der Pirsch – allerdings nicht mit der Flinte sondern mit großen Suchscheinwerfern, Papier und Bleistift. In den Abend- und Nachtstunden zählen sie Hasen auf freien Feld- und Ackerflächen.
Bei dem momentan noch niedrigen Bewuchs können die Hasen auf bis zu 200 Meter sicher erkannt und gezählt werden. Ihre Augen leuchten hell rot wenn sie angestrahlt werden, so sind sie gut von anderen Wildtieren wie Füchsen oder Rehen zu unterscheiden. Die wissenschaftlich anerkannte Methode der Scheinwerfertaxation ist seit Jahrzehnten bewährt.

Hasenzählung in Hessen
Mit großen Suchscheinwerfern werden derzeit in Hessen die Hasen auf den freien Feldflächen gezählt. Foto: Markus Stifter / Stifter-Press.de

 

 

Erste Ergebnisse der Hasenzählung in Hessen

Die ersten Ergebnisse der Frühjahrszählung 2016 liegen bereits vor und bestätigen einen langjährigen Trend:

Die in Hessen seit Jahrzehnten bekannt guten Niederwildbereiche (Waberner Senke, Gießener Becken, Wetterau, Reinheimer Becken, Main-Ebene und das Hessische Ried) weisen in der Rückschau zu den hohen Besätzen der siebziger Jahre immer noch einen vergleichsweise hohen Besatz auf – in anderen Landesteilen hingegen verharren die örtlichen Besätze auf geringerem Niveau.

In den traditionell guten Hasenrevieren in Mittel- und Südhessen wurden im Herbst 2015 wieder Dichten von 15 bis über 50 Hasen pro 100 ha Revierfläche festgestellt. In Spitzenregionen sogar bis zu 80 Hasen auf 100 Hektar Feldfläche.

In 2015 betrug die Zuwachsrate vom Frühjahr bis zum Herbst 28 %, dies ist der dritthöchste Wert aller Bundesländer. Vor diesem Hintergrund war das Jahr 2015 ein gutes Jahr für den Hasen, da deutlich mehr Nachwuchs als Verluste zu verzeichnen waren.

Hasentaxation in Hessen bereits seit 25 Jahren

Die Hasenzählung wurde erstmal 1989 vom Landesjagdverband Hessen e. V. initiiert. Seit 25 Jahren zählen die Jägerinnen und Jäger auf freiwilliger Basis zweimal jährlich – im Frühjahr und Herbst die Hasenbestände. Das nun in der neuen Jagdverordnung festgeschriebene Monitoring ist bei den Jägern traditionell gelebte Praxis und bestärkt die Grünröcke darin diesen Weg fortzuführen.

Mit Smartphone und Lautsprecher auf Rebhuhn-Pirsch

Ausgestattet mit Smartphone und Lautsprecher machen sich die Jäger in ganz Rheinland-Pfalz auf die Pirsch. Im Auftrag der Obersten Jagdbehörde und des Landesjagdverbandes wollen sie Rebhühner zählen. Vorausgegangen ist ein freiwilliger Verzicht auf die Rebhuhn-Jagd bis 2020.

So funktioniert das Rebhuhn Monitoring:

Über den kleinen Bluetooth-Lautsprecher wird der Lockruf des Hahnes abgespielt, der mindestens 150 Meter weit zu hören sein soll.
„Antwortet“ dann ein Hahn auf diesen Ruf, wird er gezählt und mit genauer Orts- und Zeitangabe in eine Revierkarte eingetragen.

Nach rund 30 Sekunden geht es weiter zum nächsten „Lock-Punkt“.

Für die Zählung nach der wissenschaftlich anerkannten „Punkt-Stopp-Methode“ erhalten die Jäger eine Aufwandsentschädigung von 100 Euro im Jahr.

Mehr Informationen zum Rebhuhn-Monitoring in Rheinland-Pfalz.

Download: Rebhuhn-Lockruf im MP3 Format

Den kompletten Filmbeitrag finden Sie demnächst auf Jagderleben.de

Neues Jagdjahr beginnt mit neuer Jagdverordnung in Hessen

Am 1. April beginnt das neue Jagdjahr. Doch für die rund 25.000 hessischen Jägerinnen und Jäger gilt ab diesem Tag eine neue Jagdverordnung, die Umweltministerin Priska Hinz Ende Dezember unterschrieben und veröffentlicht hat.

Der »Jagen, Reiten, Fischen, offroad« hat gegen den Verordnungsentwurf gekämpft und für eine Großdemonstration über 3.500 Grünröcke mobilisiert, die in Wiesbaden ihrem Ärger Luft gemacht haben. »Wir haben für die Jagd in Hessen auch bei einer Anhörung im Hessischen Landtag wissenschaftlich fundierte Argumente geliefert und konnten sogar Ministerpräsident Volker Bouffier davon überzeugen, zugunsten der Jägerschaft zu verhandeln«, so LJV Präsident Dr. Jürgen Ellenberger.«

Auf der Messe »Jagen, Reiten, Fischen, offroad« in Alsfeld bekräftigte der Geschäftsführer des Landesjagdverbands, Alexander Michel noch einmal, dass der ursprüngliche Entwurf der Jagdverordnung der Vergleichsmaßstab sei und nicht die alten Verordnungen. Ohne den massiven Protest und die rund 18.000 gesammelten Unterschriften, wären die geplanten Einschränkungen so verabschiedet worden. Viele hessische Reviere wären aufgrund der stark reduzierten Jagdzeiten kaum mehr zu bejagen und somit auch nicht verpachtbar gewesen.

In den nächsten Tagen beginnen die Jäger mit der bewährten Hasenzählung. Im Scheinwerferlicht können die Hasen durch die Lichtreflexion in den Augen deutlich von anderen Wildtieren unterschieden werden. Ist die Besatzdichte ausreichend, können die Hasen ab 1. Oktober bis zum 31. Dezember wieder bejagt werden. Eine Praxis, die in vielen Revieren schon seit langem etabliert ist. Damit die Junghasen aber auch Bodenbrüter wie Brachvogel, Feldlerche und Kiebitz eine Überlebenschance haben, gehört der Schutz vor Fressfeinden, wie zum Beispiel dem Fuchs zu einer wichtigen Aufgabe der Jäger. Auch das geplante Ende der Jagdzeit auf Füchse Ende Januar konnte der Landesjagdverband bis Ende Februar verlängern. Eine Bejagung der Jungfüchse ist jedoch erst wieder ab 15. August möglich.

Der Landesjagdverband hat der neuen Jagdverordnung nicht zugestimmt und wird sich weiterhin für Verbesserungen einsetzen. Auch aus den politischen Reihen der Opposition von FDP und SPD erhalten die Jäger Unterstützung. Die hessische FDP-Fraktion lässt derzeit die Erfolgsaussichten für eine Normenkontrollklage durch ein Rechtsgutachten prüfen.

Besonders wichtig ist dem Landesjagdverband auch die Unterstützung der Bevölkerung, im ländlichen aber auch gerade im städtischen Raum. Die Jäger vor Ort stehen bei Fragen zur Verfügung, organisieren Waldexkursionen für Kindergärten und Schulen aber auch für andere Naturinteressierte. Der Verband vermittelt gern Kontakte zur örtlichen Jägerschaft.

Entwurf zu neuem Bundesjagdgesetz liegt vor

Am 25. Februar 2016 hat das Bundeslandwirtschaftsministerium einen Entwurf für die Novellierung des Bundesjagdgesetzes vorgelegt. Einige Bundesländer haben bereits ein pauschales „Bleiverbot“ in den Landesjagdgesetzen geregelt – nun ist eine bundeseinheitliche Regelung für Jagdmunition und den Schießübungsnachweis gefragt.

Bundesjagdgesetz Novelle 2016
Welche Munition tötet welches Tier auf welche Entfernung tatsächlich tierschutzgerecht? Eine Kennzeichnungspflicht für Büchsenmunition soll für Abhilfe sorgen.

DJV begrüßt die Novellierung

Der Präsident des Deutschen Jagdverbands (DJV) Hartwig Fischer begrüßt diesen Schritt in einer ersten Reaktion. „Der Entwurf ist im Grundsatz positiv zu bewerten“. Ein pauschales Bleiverbot hält der DJV für unsinnig und fordert eine wissens- und praxisorientierte Regelung. Für die Jagd auf Schalenwild soll künftig ein Dreiklang aus tierschutzgerechter Tötungswirkung, Präzision und Minimierung der Bleieintrags entscheidend für die Zulassung von Büchsenmunition sein. Der Tierarzt und DJV-Vizepräsident Dr. Wolfgang Bethe: „Jetzt gilt es, die Richtlinie praxistauglich umzusetzen.“ Der Bundeslandwirtschaftsminister, Christian Schmidt, verhindere somit erfolgreich weitere Tierversuche mit Jagdmunition in freier Wildbahn.

Bisher drei Fragezeichen beim Munitionskauf

Welche Munition tatsächlich welches Tier auf welche Entfernung tierschutzgerecht tötet, lässt sich aktuell beim Munitionskauf nicht erkennen. Dies führt laut dem Deutschen Jagdverband bei den Jägern zu einer großen Verunsicherung. Deshalb soll eine Kennzeichnungspflicht für Büchenmunition künftig Abhilfe schaffen.

Der bundeseinheitliche Schießübungsnachweis soll weitergehende Regelungen der Länder außer Kraft setzen. „Ein Flickenteppich wird erfolgreich bereinigt“, so Rechtsanwalt Ralph Müller-Schallenberg. „Es drohe ein Szenario, dass Jäger zwingen würde, für jedes Bundesland eine Unmenge unterschiedlicher behördlicher Nachweise mit sich zu führen“.

Außerdem enthält der Novellierungsentwurf zum Bundesjagdgesetz einheitliche Vorgaben für die Jägerprüfung vor. Das Ausbildungsfach „Wildhygiene“ soll aufgewertet werden. Fällt ein Jagdschüler hier durch, besteht er die gesamte Prüfung nicht. Dies „unterstreiche die hohen Ansprüche an heimisches Wildbret“, so Dr. Bethe.

Bis Mitte März 2016 wird der Deutsche Jagdverband eine detaillierte Stellungnahme in die Verbändeanhörung einbringen.